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Griffkraft-Training: Warum dein Grip die unsichtbare Grenze ist

Deine Hände sind das schwächste Glied in der Kette – und sie bestimmen, wie schwer du ziehen, heben und halten kannst. Hier erfährst du, wie du deine Griffkraft gezielt aufbaust und warum das mehr verändert als jedes Supplement.

Stell dir vor, du stehst an der Langhantel. 140 kg Kreuzheben. Du hast den Rücken dafür, die Beine dafür, den Willen dafür. Du greifst die Stange, setzt dich unter Gewicht – und dann rutscht dir die Stange aus den Fingern. Nicht, weil dein Rücken versagt hat. Nicht, weil deine Beine zu schwach waren. Sondern weil dein Grip das Limit war.

Dieser Moment ist frustrierend, aber er enthält eine wichtige Wahrheit: Deine Griffkraft ist die unsichtbare Grenze deiner gesamten Kraft. Sie bestimmt, wie viel du heben, ziehen und halten kannst – lange bevor deine größeren Muskelgruppen an ihr Limit stoßen. Und die meisten Menschen trainieren sie nie gezielt.

In diesem Beitrag erfährst du, warum Griffkraft einer der wichtigsten – und am meisten vernachlässigten – Faktoren für Kraft, Gesundheit und Langlebigkeit ist. Du lernst die Wissenschaft dahinter kennen, die besten Übungen und Methoden, und bekommst einen konkreten Trainingsplan, den du sofort umsetzen kannst.

💪 Kerngedanke

Griffkraft ist kein Nebenprodukt des Trainings – sie ist ein eigenständiger Leistungsfaktor. Wer sie ignoriert, limitiert automatisch jede Zugübung, jeden Klimmzug und jedes Kreuzheben.

Die Anatomie der Griffkraft: Mehr als nur feste Hände

Wenn wir „Griffkraft“ sagen, meinen die meisten Menschen schlicht: fest zukneifen. Tatsächlich ist Griffkraft aber ein komplexer Begriff, der drei verschiedene Kraftäußerungen der Hand umfasst:

1. Crush Grip (Druckkraft)

Das Zusammenpressen der Hand – wie beim Zerdrücken eines Tennisballs oder dem Zukneifen eines Handgrips. Die Hauptakteure hier sind der M. flexor digitorum superficialis und der M. flexor digitorum profundus, also die Fingerbeuger im Unterarm, sowie die Lumbricales und Interossei im Handinneren. Der Crush Grip ist das, was die meisten Menschen unter „starker Hand“ verstehen.

2. Support Grip (Haltekraft)

Die Fähigkeit, etwas über einen längeren Zeitraum zu halten – wie die Stange beim Kreuzheben, den Latzug beim Klimmzug oder die Kurzhanteln beim Farmer's Walk. Hier arbeitet nicht nur die Unterarmmuskulatur, sondern das gesamte System aus Fingerbeugern, Handgelenksstabilisatoren und dem THENAR (dem Daumenballen). Der Support Grip ist für Kraftsportler der relevanteste Grifftyp, weil er in fast jeder Zugübung limitierend wirkt.

3. Pinch Grip (Kneifkraft)

Das Zusammendrücken von Daumen und Fingern – wie beim Halten einer Gewichtsscheibe parallel zur Wand. Der Pinch Grip trainiert vor allem den M. adductor pollicis und die kurzen Handmuskeln. Er ist der spezifischste Grifftyp und wird im Alltag seltener gebraucht, ist aber ein hervorragender Indikator für die Gesamtgriffkraft.

Die Unterarmmuskulatur besteht aus über 20 einzelnen Muskeln, die in drei Kategorien eingeteilt werden: Beuger (ventral, Finger schließen), Strecker (dorsal, Finger öffnen) und Stabilisatoren (Handgelenk halten). Die meisten Menschen trainieren ausschließlich die Beuger – ein fundamentaler Fehler, wie du noch sehen wirst.

Der Flaschenhals: Wie dein Grip deine Fortschritte limitiert

Hier ist die unbequeme Wahrheit: In jeder Zugübung ist die Griffkraft das erste Glied in der Kette, das versagt. Wenn deine Hand aufgibt, ist es egal, wie stark dein Rücken ist, wie ausgefeilt deine Technik ist oder wie motiviert du bist – die Übung ist beendet.

Das Problem verschärft sich in bestimmten Kontexten:

  • Kreuzheben: Bei schweren Einheiten rutscht die Stange aus den Fingern, bevor der Rücken auch nur ansatzweise gefordert ist. Viele heben weniger, als sie könnten, weil der Grip aufgibt.
  • Klimmzüge: Der Unterarm brennt, die Finger öffnen sich – und du löst dich von der Stange, obwohl dein Lat noch Reserven hätte.
  • Rudern: Seilzug oder Langhantel – wenn der Grip versagt, wird der letzte Teil der Bewegung ungenau und die Rückenmuskulatur erhält einen suboptimalen Reiz.
  • Farmer's Walk: Die Übung endet nicht, weil die Beine müde sind, sondern weil die Hände brennen.

Was machen die meisten? Sie greifen zu Griffhilfen (Straps, Hooks) – und umgehen damit das Problem, anstatt es zu lösen. Das ist wie ein Auto mit schlechten Bremsen: Du kannst den Motor stärker machen, aber solange die Bremsen nicht mithalten, fährst du nie wirklich schnell. Dein Grip ist die Bremse – und wenn du ihn nicht trainierst, wird er immer zum Flaschenhals.

📈 Studienlage

Eine Studie von Leclerc et al. (2020) zeigte, dass die Griffkraft bei untrainierten Personen im Durchschnitt 15–20 % unter dem liegt, was für optimale Zugleistungen notwendig wäre. Bei erfahrenen Kraftsportlern, die den Grip nie isoliert trainiert haben, beträgt die Lücke immer noch 8–12 %. Das bedeutet: Ohne gezieltes Griffkrafttraining lässt du potentielles Leistungsplus auf der Strecke.

Griffkraft als Gesundheitsmarker: Was die Wissenschaft sagt

Griffkraft ist nicht nur ein sportliches Maß – sie ist einer der stärksten Prädiktoren für Gesundheit und Langlebigkeit, die wir kennen. In der geriatrischen Forschung wird sie als Biomarker der biologischen Alterung eingesetzt, und die Daten sind eindeutig.

Eine großangelegte Metaanalyse über 140.000 Teilnehmer, veröffentlicht im The Lancet (Leong et al., 2015), fand heraus, dass jede 5-kg-Abnahme der Griffkraft mit einem 17 % höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Tod und einem 7 % höheren Risiko für Gesamtsterblichkeit verbunden war. Die Griffkraft war ein stärkerer Prädiktor als der systolische Blutdruck.

Die Erklärung ist einfach: Griffkraft ist kein isoliertes Phänomen. Sie korreliert mit:

  • Muskelmasse gesamt – wer schwache Hände hat, hat in der Regel auch wenig Muskelmasse am restlichen Körper
  • Knochengesundheit – mechanische Belastung der Hand- und Unterarmknochen stimuliert die Osteogenese
  • Neuromuskuläre Funktion – die Griffkraft spiegelt die Qualität der Nerv-Muskel-Verbindung wider
  • Entzündungswerte – niedrige Griffkraft korreliert mit höheren CRP-Werten und systemischer Inflammation
  • Funktionsfähigkeit im Alter – öffnen von Gläsern, Treppensteigen, Sturzprävention

Das bedeutet: Griffkrafttraining ist nicht nur ein Add-on für Kraftsportler. Es ist eine Investition in deine langfristige Gesundheit, die genauso wichtig ist wie Ausdauertraining oder Krafttraining der großen Muskelgruppen.

🧩 Beeindruckende Zahl

Laut der UK Biobank-Studie (2021) mit über 500.000 Teilnehmern war die Griffkraft ein besserer Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse als der Blutdruck. Eine Abnahme von 5 kg Griffkraft entsprach dem Risikoanstieg von 6,7 Jahren biologischer Alterung.

Die besten Übungen für mehr Griffkraft

Nicht jede Übung, die die Hände beansprucht, ist auch ein effektives Griffkrafttraining. Hier sind die Übungen, die sich in der Praxis und Forschung bewährt haben – sortiert nach Grifftyp.

Für den Support Grip (Haltekraft):

1. Farmer's Walk (Bauerngang)

Die Königsübung für Griffkraft. Schweres Gewicht in jeder Hand, aufrechte Körperhaltung, 30–60 Sekunden gehen. Der Farmer's Walk trainiert nicht nur den Support Grip, sondern auch die Rumpfstabilität, die Schultern und den psychischen Willen, weiterzulaufen, wenn die Hände brennen. Variiere das Gewicht zwischen 50–100 % deines Körpergewichts (gesamt).

2. Dead Hang (Toter Hang)

An der Klimmzugstange hängen – so einfach und so effektiv. Beginne mit 20–30 Sekunden und arbeite dich auf 60–90 Sekunden hoch. Der Dead Hang dehnt außerdem die Schultern, öffnet den Brustkorb und entlastet die Wirbelsäule. Für Fortgeschrittene: Einarmiger Dead Hang oder zusätzliches Gewicht.

3. Statishes Halten am Kreuzheben

Nach dem letzten Arbeitsatz Kreuzheben die Stange im ausgestreckten Zustand halten – 15–30 Sekunden lang. Das ist spezifisches Training für genau die Situation, in der dein Grip am wichtigsten ist. Beginne mit 70–80 % deines Maximalgewichts.

Für den Crush Grip (Druckkraft):

4. Handgrip-Trainer (Coccolino / Heavy Grips)

Spezifische Geräte für den Crush Grip, erhältlich in verschiedenen Widerstandsstufen. Wähle einen Gripper, den du 8–12 Mal schließen kannst, und arbeite dich hoch. Der Vorteil: du kannst den Crush Grip isoliert und progressiv überlasten. Empfehlung: Heavy Grips oder IronMind Captain's of Crush.

5. Handball zerdrücken

Eine einfache, aber effektive Übung, die du überall machen kannst. Nimm einen Tennisball oder einen speziellen Grip-Ball und drücke ihn 5 Sekunden lang zusammen, 10–15 Wiederholungen pro Hand. Ideal als Aufwärmübung oder Zwischensatz.

Für den Pinch Grip (Kneifkraft):

6. Plate Pinch

Zwei Gewichtsscheiben mit den glatten Seiten nach außen aneinanderlegen und mit Daumen und Fingern zusammendrücken. Beginne mit zwei 5-kg-Scheiben und steigere. Der Plate Pinch trainiert die Daumenkraft und die kurzen Handmuskeln auf eine Weise, die keine andere Übung bietet.

Für die Handgelenksstabilität:

7. Handgelenksbeugen und -strecken mit Kurzhantel

Unterarm auf die Bank gelegt, Handgelenk über der Kante. Mit leichter Kurzhantel das Handgelenk beugen und strecken. 3 Sätze à 15–20 Wiederholungen. Diese Übung stärkt die Handgelenksstrecker – die Muskeln, die dein Handgelenk stabil halten, wenn du schwere Gewichte hältst.

8. Reverse Bizepscurls

Obergriff an der Langhantel oder SZ-Stange, leichte Gewichte, kontrollierte Bewegung. Die Unterarmstrecker werden isometrisch beansprucht und stärken die dorsale Kette des Unterarms. 3 Sätze à 12–15 Wiederholungen.

Der Griffkraft-Trainingsplan: 4 Wochen zum stärkeren Grip

Griffkraft lässt sich am besten als Zusatzprogramm in dein bestehendes Training integrieren. Du brauchst keine extra Einheit – nur 10–15 Minuten am Ende deines regulären Workouts. Hier ist ein bewährter 4-Wochen-Plan:

Woche 1–2: Grundlagen aufbauen (3x pro Woche)

  • Dead Hang: 3 Sätze à 20–30 Sekunden (Pause 60 Sek.)
  • Farmer's Walk: 3 Sätze à 30 Sekunden (50 % KG pro Hand)
  • Handgelenksbeugen: 3 Sätze à 15 WH (leichtes Gewicht)
  • Handgelenksstrecken: 3 Sätze à 15 WH (leichtes Gewicht)

Woche 3–4: Spezifisch steigern (3x pro Woche)

  • Dead Hang: 3 Sätze à 40–60 Sekunden (Pause 60 Sek.)
  • Farmer's Walk: 3 Sätze à 45 Sekunden (70 % KG pro Hand)
  • Plate Pinch: 3 Sätze à 20 Sekunden (2 × 5 kg)
  • Handgrip-Trainer: 3 Sätze à 8–12 WH pro Hand
  • Reverse Curls: 3 Sätze à 12 WH

💡 Praxistipp vom Personal Trainer

Plane dein Griffkrafttraining am Ende des regulären Trainings, niemals davor. Wenn du die Griffkraft am Anfang erschöpfst, limitierst du jede folgende Zugübung. Die Ausnahme: Dead Hangs als Aufwärmübung vor dem Training sind erlaubt und empfehlenswert.

Griffhilfen: Wann sinnvoll, wann schädlich?

Griffhilfen – Lifting Straps, Figure-8-Straps, Griffhaken – sind ein zweischneidiges Schwert. Sie ermöglichen dir, mehr Gewicht zu bewegen, aber sie nehmen deinem Grip den Trainingsreiz. Hier ist eine kluge Strategie:

Verwende Griffhilfen bei:

  • Maximalversuchen im Kreuzheben (über 90 % 1RM)
  • Rack Pulls und Teilbewegungen, bei denen der Rücken das Limit sein soll
  • Hochvolumigen Zugtagen (20+ Wiederholungen), wenn der Grip ermüdet, aber die Rückenmuskulatur noch arbeitet
  • Wettbewerben (Powerlifting, Strongman)

Verwende KEINE Griffhilfen bei:

  • Allen Arbeitsätzen bis 80–85 % deines Maximums
  • Klimmzügen und Latzügen im normalen Training
  • Rudern im Sitzen oder Stehen mit moderatem Gewicht
  • Warm-up-Sätzen jeder Übung

Die Regel lautet: So viel wie möglich ohne, so viel wie nötig mit Griffhilfe. Wenn du bei jedem Satz Straps verwendest, trainierst du deinen Grip nie – und das Problem verschlimmert sich. Wenn du sie nie verwendest, limitierst du möglicherweise deinen Rückenfortschritt. Finde die Balance.

Die drei Griffarten beim Kreuzheben und ihre Vor- und Nachteile

Beim Kreuzheben gibt es drei Griffvarianten, die jeweils unterschiedliche Griffkraft-Anforderungen stellen:

1. Double Overhand (beide Hände proniert)

Die natürlichste Griffart und gleichzeitig die beste für dein Griffkrafttraining. Der Nachteil: Ab etwa 80–100 % deines Maximums rollt die Stange aus den Fingern. Das ist kein Fehler der Technik – es ist Physik. Für alle Arbeitsätze bis 85 % sollte der Double Overhand dein Standardgriff sein.

2. Mixed Grip (eine Hand proniert, eine supiniert)

Der Standardgriff im Powerlifting. Die Stange kann nicht rollen, weil die Gegenrotation der Hände die Stange blockt. Der Nachteil: Asymmetrische Belastung der Schultern und des Bizeps der supinierten Seite. Es gibt ein leicht erhöhtes Risiko für Bizepssehnenrupturen. Verwende den Mixed Grip für schwere Einzelwiederholungen, aber wechsle regelmäßig die Griffseite.

3. Hook Grip (Daumen unter die Finger geklemmt)

Der Griff der Gewichtheber. Der Daumen wird zwischen Stange und Finger eingeklemmt, was einen extrem sicheren Halt erzeugt, ohne die Asymmetrie des Mixed Grips. Der Preis: Es ist anfangs schmerzhaft – der Daumen muss sich an den Druck gewöhnen. Mit Geduld und schrittweiser Gewöhnung wird der Hook Grip zum sichersten Griff für schwere Züge.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Wechsle beim Mixed Grip regelmäßig die Griffseite – also mal links proniert/rechts supiniert, mal umgekehrt. Dadurch vermeidest du muskuläre Dysbalancen und reduzierst das Risiko für Bizepssehnenprobleme auf der supinierten Seite.

Die 5 häufigsten Fehler im Griffkrafttraining

1. Nur Beuger trainieren

Die häufigste Fehler: 100 % Handgrip-Trainer und 0 % Strecker. Die Fingerstrecker sind für die Stabilität des Handgelenks essenziell. Ohne starke Strecker knickt das Handgelenk unter Last ab – und die Belastung landet auf den Sehnen und Bändern statt auf der Muskulatur. Ergänze jedes Beuger-Training mit Handgelenksstrecken und Reverse Curls.

2. Zu hohes Volumen, zu wenig Erholung

Die Unterarmmuskulatur ist dünn und wird bei fast jeder Übung mitbelastet. Wenn du zusätzlich 5 Griffkraft-Übungen am Ende jedes Trainings machst, überlastest du die Unterarme schnell. 10–15 Minuten, 2–3 Mal pro Woche, reichen vollauf. Qualität vor Quantität.

3. Griffhilfen zu früh einsetzen

Straps in der Warm-up-Phase oder bei moderaten Gewichten verhindern, dass der Grip überhaupt einen Reiz erhält. Dein Griff wächst nur, wenn er gefordert wird. Hebe so viel wie möglich ohne Griffhilfe – erst wenn der Grip wirklich das Limit ist, greif zu den Straps.

4. Chalk als Ersatz für Griffkraft

Magnesia verbessert die Reibung und reduziert das Schwitzen – das ist gut. Aber sie ersetzt keine Griffkraft. Verwende Chalk als Unterstützung, nicht als Lösung. Wer sich auf Chalk verlässt und den Grip nie trainiert, wird bei feuchten Händen oder ohne Chalk scheitern.

5. Ignorieren der Handgelenksmobilität

Starke Griffkraft ohne mobile Handgelenke ist wie ein starker Motor ohne Lenkung. Integriere Handgelenkskreisen, Unterarm-dehnen und Finger-Extensions-Übungen in dein Aufwärmen. Besonders wichtig: Streckung der Finger gegen leichten Widerstand, um die antagonistische Muskulatur zu aktivieren.

Griffkraft im Alltag: Warum es sich immer auszahlt

Griffkraft ist keine rein sportliche Eigenschaft. Sie durchzieht fast jeden Bereich des Alltags:

  • Tragen: Einkaufstüten, Koffer, Möbel – alles, was du halten musst, profitiert von starker Griffkraft.
  • Öffnen: Gläser, Flaschen, Türen – ein starker Grip macht diese täglichen Herausforderungen mühelos.
  • Gartenarbeit & Handwerk: Schaufeln, Sägen, Schrauben – alles erfordert Griffkraft.
  • Sturzprävention: Im Alter ist die Fähigkeit, sich an einem Geländer festzuhalten, lebensrettend. Die Griffkraft korreliert direkt mit der Sturzsicherheit.
  • Autonomie: Die Studie von Rantanen et al. (1999) zeigte, dass Menschen mit starker Griffkraft im Alter signifikant länger selbstständig leben als jene mit schwacher Griffkraft.

Wenn du deine Griffkraft trainierst, investierst du in eine Fähigkeit, die dir jeden Tag zugutekommt – nicht nur im Fitnessstudio, sondern beim Koffertragen, beim Glasaufdrehen und beim Festhalten, wenn es darauf ankommt.

Griffkraft vs. Unterarmgröße: Zwei verschiedene Ziele

Es ist wichtig zu verstehen, dass Griffkraft und sichtbare Unterarmmuskulatur nicht dasselbe sind. Du kannst enorme Griffkraft haben, ohne dass die Unterarme besonders groß aussehen – und umgekehrt.

Griffkraft wird primär durch die fingerbeugende Muskulatur bestimmt – diese Muskeln liegen tief im Unterarm und sind strukturell auf Kraftausdauer ausgelegt. Sie wachsen weniger im Volumen, aber enorm in ihrer Kontraktionsfähigkeit.

Unterarmhypertrophie (sichtbares Wachstum) erfordert andere Reize: höheres Volumen, kurze Pausen, verschiedene Winkel. Übungen wie Unterarmcurls (proniert und supiniert), Reverse Curls und Zylindercurls (mit dicker Stange) sind hier effektiver als reine Griffkraftübungen.

Wenn du beide Ziele verfolgst – starke Hände UND ästhetische Unterarme – kombiniere:

  • Schwere Zugübungen ohne Griffhilfe (für Griffkraft)
  • Gezielte Unterarmcurls mit hohem Volumen (für Hypertrophie)
  • Farmer's Walks (für beides)
  • Dead Hangs (für Griffkraftausdauer)
  • Reverse Curls (für die Streckerästhetik)

Griffkraft im Alter: Der unterschätzte Lebensretter

Die Griffkraft ist einer der verlässlichsten Indikatoren für die biologische Alterung – und sie beginnt früher zu sinken, als die meisten Menschen denken. Ab etwa 50 Jahren verliert der durchschnittliche Mensch 1–2 % Griffkraft pro Jahr, wenn er nicht aktiv gegengesteuert wird.

Die Konsequenzen sind gravierend:

  • Erhöhtes Sturzrisiko durch verminderte Fähigkeit, sich festzuhalten
  • Verlust der Selbstständigkeit bei Alltagsaufgaben
  • Höhere Sterblichkeit – die bereits zitierte Lancet-Studie bestätigt den Zusammenhang eindrucksvoll
  • Reduzierte Lebensqualität und soziale Teilhabe

Die gute Nachricht: Griffkraft ist in jedem Alter trainierbar. Eine Studie von Fragala et al. (2020) zeigte, dass Menschen über 60 durch gezieltes Griffkrafttraining ihre Griffkraft innerhalb von 12 Wochen um durchschnittlich 15–20 % steigern konnten. Das Training muss nicht kompliziert sein – tägliches Hängeln an der Stange, Ball-Zerdrücken und Farmer's Walks mit moderatem Gewicht reichen aus.

🌱 Gesundheitsprävention

Wenn du über 40 bist, solltest du deine Griffkraft genauso ernst nehmen wie deinen Blutdruck. Ein einfacher Test: Kannst du 30 Sekunden an einer Klimmzugstange hängen? Wenn nicht, ist es höchste Zeit für gezieltes Griffkrafttraining. Als Personal Trainer in Neumünster helfe ich dir gerne dabei, einen altersgerechten Plan aufzustellen.

Dein Grip limitiert dich – aber das kannst du ändern

Als Personal Trainer in Neumünster helfe ich dir, deine Schwachstellen zu identifizieren und gezielt zu beseitigen – inklusive eines individuellen Griffkraftprogramms, das perfekt in dein bestehendes Training passt.

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Häufig gestellte Fragen zum Griffkrafttraining

Wie schnell verbessert sich die Griffkraft? +

Anfänger können in den ersten 6–8 Wochen mit gezieltem Training bis zu 20 % Zuwachs erzielen. Fortgeschrittene rechnen mit 5–10 % pro Jahr. Die Unterarmmuskulatur reagiert ähnlich wie andere Muskelgruppen, erholt sich aber schneller – du kannst sie 3–4 Mal pro Woche trainieren, solange das Volumen moderat bleibt.

Soll ich Kreuzheben mit oder ohne Griffhilfe trainieren? +

Für Arbeitsätze bis 80–85 % des Maximums: ohne Griffhilfe, um die Griffkraft mitzutrainieren. Für Maximalversuche oder wenn der Rücken das Limit sein soll, nicht der Grip: Griffhilfe erlaubt. Im Allgemeinen gilt – je mehr du ohne Griffhilfe trainierst, desto besser für deine langfristige Griffkraftentwicklung.

Welcher Grifftyp ist der wichtigste? +

Der Crush Grip (Zusammenpressen der Hand) ist für Kraftsportler am wichtigsten, weil er beim Halten von Stangen und Gewichten dominiert. Der Support Grip (Halten) ist jedoch am praxisrelevantesten für Übungen wie Kreuzheben, Klimmzüge und Rudern. Ein ausgewogenes Programm trainiert beide.

Kann ich Griffkraft jeden Tag trainieren? +

Es wird nicht empfohlen. Die Unterarmmuskulatur benötigt 48–72 Stunden Erholung zwischen intensiven Einheiten. 2–3 gezielte Einheiten pro Woche sind optimal. Leichte Greifübungen wie Farmer's Walks oder Dead Hangs können häufiger integriert werden, aber hochintensives Griffkrafttraining (Gripper, Pinch) braucht Erholung.

Warum ist Griffkraft besonders im Alter wichtig? +

Die Griffkraft ist einer der stärksten Prädiktoren für Gesamtsterblichkeit im Alter. Studien zeigen, dass Menschen mit schwacher Griffkraft ein signifikant höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stürze und funktionellen Verlust haben. Sie ist ein Biomarker für die biologische Alterung – und glücklicherweise in jedem Alter trainierbar.

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